Zu ruhig? Wie man im Journalismus als zurückhaltende Person glänzt

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Christine kann vor allem in Interviews punkten, indem sie ihrem Gegenüber aufmerksam zuhört (Quelle: Nicole Edler)

Um Journalistin zu werden muss man extrovertiert und forsch sein. Stimmt das? Ich habe mit den Volontärinnen Annalena (Freizeit Revue), Lea (dashaus.de) und Christine (Freizeit Revue) über ihre Erlebnisse in Seminaren der BJS und ihre Erfolge als ruhige Personen im Journalismus gesprochen.

Keine Angst vor dem direkten Gespräch: Das Interview

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Mit ihren 19 Jahren beweist Lea trotz ihrer ruhigen Art Kampfgeist (Quelle: Katrin Mertens)

Das Interview-Seminar an der Burda Journalistenschule ist besonders anspruchsvoll. Die Volontäre laden in Gruppen jemand Externes ein, den sie interviewen wollen. Im zweiten Schritt werden dann Fragen zusammengestellt, aus denen am Ende ein Interview entsteht. Die Gruppe, die von Detlef Esslinger von der Süddeutschen Zeitung unterrichtet wurde, hat sich für Inmar Alkadiri entschieden. Inmar ist Besitzer des Offenburger Restaurants Laubenlinde.

Für Lea war dieses Seminar eine echte Herausforderung. „Vor dem Interview war ich schon ziemlich nervös. Ich wusste ja nicht, wie der Interviewpartner auf meine Fragen reagieren wird“, sagt sie. Ein direktes Gespräch kann je nachdem ziemlich schwierig werden. Und Lampenfieber kennt sicher jeder. Lea hat eine Methode gefunden, um in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren: Sie lenkt sich ab. Besonders beruhigend wirken „Ich versuche mich in solchen Situationen nicht selbst verrückt zu machen. Das hat vor dem Interview total gut geklappt. Der Interviewpartner hat sehr offen mit mir gesprochen und am Ende habe ich richtig gute Antworten mitnehmen können.“

 

 

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Christines Steckenpferd: Bei der Freizeit Revue ist eine enge Bindung zu Interviewpartnern sehr wichtig (Quelle: Nicole Edler)

 

Ein Interview zu führen ist eine richtige Kunst. Und gerade
hier können Menschen mit einer etwas zurückhaltenden Persönlichkeit punkten. Medientrainerin Ulrike Schnellbach erklärt warum: „In einem Interview ist es ungemein wichtig, zuhören zu können. Ich denke, dass es weniger forschen Persönlichkeiten leichter fällt, sich selbst auch mal zurückzunehmen und ihrem Gegenüber den Raum zu geben, auch wirklich zu erzählen.“ Diese Erfahrung hat auch Christine gemacht. „Für mich war es bei Interviews immer von Vorteil, zuhören zu können. Menschen öffnen sich dir einfach eher, wenn du sie nicht überfordert und ihnen Zeit gibst, zu reden.“

 

Hilfe, ich werde gefilmt! Das Training vor der Kamera

Das Training vor der Kamera hat Annalena noch selbstbewusster gemacht (Quelle: Anna Ebach)
Das Training vor der Kamera hat Annalena noch selbstbewusster gemacht (Quelle: Anna Ebach)

Im Journalismus ist es total wichtig, sich und seine Ideen präsentieren zu können. Noch schwieriger wird es, wenn man plötzlich vor einer Kamera steht. Annalena fiel vor allem das freie Reden sehr schwer. „Ich bin jemand, die vorher immer genau überlegt, bevor sie spricht. Ich finde aber, dass es eine meiner Stärken ist, nicht direkt und unbedacht drauflos zu sprechen.“ Beim freien Reden musste es dann allerdings schnell gehen. Ein Stichwort und los! Das hat zwar auch gut geklappt, aber richtig punkten kann Annalena, wenn sie sich gründlich auf ein Thema vorbereiten kann. „Sich vorzubereiten gibt mir die Sicherheit, die ich in solchen Situationen brauche, um überzeugend zu sein.”

Mit Nervosität vor der Kamera kennt er sich besonders gut aus: Markus Brock. Seit über 25 Jahren arbeitet er in verschiedenen Formaten als Fernsehmoderator. An der BJS gibt er nun sein Wissen an die Volontärinnen und Volontäre weiter. Ihm selber, berichtet er, hat diese Tätigkeit viel Selbstbewusstsein gegeben und er ist überzeugt davon, dass die Arbeit vor der Kamera auch ruhigere Persönlichkeiten aus der Reserve lockt.

 

“Die Kamera kann helfen, Schüchternheit zu überwinden. Privat habe ich lange Zeit nur mit großer Überwindung fremde Menschen angesprochen. Vor der Kamera ist das mein Job, da ging’s. Und heute traue ich mich deshalb auch privat viel mehr.” (Markus Brock, Fernsehmoderator)

Besonders für Christine barg das Seminar zum Thema Kamerapräsenz positive Überraschungen. Eigentlich, so erzählt sie, hat sie sich ziemlich unwohl gefühlt. Als sie das Video ihrer Moderation dann gesehen hatte, war sie sehr zufrieden. „Ich bin total froh, dass man hier an der BJS immer ins kalte Wasser geworfen wird. Dadurch konnte ich total viel über mich lernen!”

 

 

Janina Zillekens
Über die Autorin: Janina Zillekens hat einen Master in Soziologie und Literaturwissenschaften an der RWTH Aachen absolviert. Jetzt macht sie ein Volontariat beim FOCUS Magazin im Ressort Politik und Wirtschaft.

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