Tag des Aufnahmetests „Wer sich verbiegt, tut sich keinen Gefallen“

Bevor das Aufnahmeverfahren beginnt, stellt Nikolaus von der Decken sich und die Schule vor.
Die potentiellen Volontäre lauschen gespannt den Worten des Schulleiters Nikolaus von der Decken bevor es mit dem Aufnametest losgeht.

Gute Noten und Praxiserfahrungen reichen alleine nicht aus, um beim Ausfnahmetest eine Zusage für ein Volo abzusahnen. Auch ein fundiertes Allgemeinwissen und eine kreative Ader sind wichtig. Nikolaus von der Decken, der Leiter der Journalistenschule erzählt, worauf es beim Aufnahmetest ankommt.

Der Lebenslauf überzeugte. Die Nominierung war erfolgreich. Ab geht´s zum Aufnahmetest. Auch wenn jeder, der zum Aufnahmetest eingeladen wurde, stolz auf sich sein kann, sollte sich niemand darauf ausruhen. Denn für jede Volontärs-Stelle werden durchschnittlich drei Bewerber ins Rennen geschickt. Bewerber, die alle geschickt mit Sprache umgehen können. Bewerber, die schon bei großen Firmen oder interessanten Start-Ups ihr Talent unter Beweis gestellt haben. Und die alle eines wollen: Volontär bei Burda sein. Wie also gelingt es, sich gegen die starke Konkurrenz durchzusetzen und einen der begehrten Volo-Plätze zu ergattern?

“Wir wünschen uns viel mehr Menschen, die echt sind.”

 Herr von der Decken, wie schaffen es Bewerber sich von der Konkurrenz abzuheben? Wir wünschen uns viel mehr Menschen, die echt sind. Menschen, die authentisch und spontan sind. Und sicher auftreten. Das macht wahnsinnig viel aus. Beim Aufnahmetest ist das Interview die einzige Schnittstelle, bei der die Bewerber mit Menschen zusammensitzen, die sie beurteilen. Und da kommt es darauf an, dass man authentisch ist. Wer sich da verbiegt, oder unnatürlich und aufgesetzt wirkt – auch durch Kleidung – tut sich keinen Gefallen. Das merkt die Jury. Ganz wichtig ist auch das digitale Gespür für Medien.

Mit welchen Aussagen trumpfen die Bewerber? Sie sollten den Titel, für den sie sich bewerben, spitz gesagt, auswendig können. Gleiches gilt für den Onlineauftritt. Wer bei der Recherche auf etwas Kritisches gestoßen ist – also etwas das ihm oder ihr gar nicht gefallen hat – darf bzw. soll das auch gerne sagen. So etwas interessiert die Jury natürlich sehr. Weil wir dann auch einen Gesprächspunkt haben. Dann fragen wir nach den Gründen dafür und Verbesserungsvorschlägen. Wenn dann ein guter Einwand kommt, ist das ein Pluspunkt.

Gibt es K.O.-Kriterien? Nicht gut vorbereitet zu sein. Wir hatten schon Bewerber im Test, die glaubten ihr äußerliches Auftreten sei die Hälfte der Miete. Auch wenn Bewerber gut angezogen sind und sicher auftreten, darf es natürlich an inhaltlicher Substanz nicht fehlen. Man muss schon seinen Titel kennen. Und die Begeisterung für den Beruf muss rüberkommen. Und wenn wir nach digitalem Know-How fragen, reicht es nicht, seinen privaten Instagram-Account zu nennen. Da wünschen wir uns schon einen Kanal, der journalistisch ist. Sich in der digitalen Welt auszukennen, bedeutet mehr als nur auf Facebook und Instagram zu sein.

“Zur Authentizität gehört auch, dass man in seinem Stil, aber dem Anlass entsprechend erscheint.”

Bei was wird auch mal ein Auge zugedrückt? Bei Nervosität. Wenn wir spüren da ist eine Substanz da und bei irgendeiner Frage hat jemand mal einen Hänger, dann ist das nicht so schlimm. Klar, das sollte jetzt nicht bei fünf Fragen passieren, aber Nervosität spüren wir und versuchen wir auch auszublenden.

Wie steht es um die Klamotten? Wenn wir das Gefühl haben, jemand hat sich für andere Menschen angezogen und will dadurch besonders auffallen, kommt das nicht gut an. Zur Authentizität gehört auch, dass man in seinem Stil, aber dem Anlass entsprechend erscheint. Wenn jemand extrem auf Mode achtet, darf es auch gerne mal etwas mehr sein. Das passt dann auch wenn jemand für die ELLE oder INSTYLE kommt. Da erwartet man das sogar fast, dass die ein bisschen anders angezogen sind. Und das ist dann auch völlig okay. In Sack und Asche sollte aber niemand kommen. Sondern sich schon ein bisschen Mühe geben. Wir tun das ja auch.

Mehr zum Thema Kleidung beim Aufnahmetest findet ihr übrigens hier.

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview.

Nathalie Muggesser
Ich bin Nathalie und Volontärin bei Bunte.de in München.

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