Zu Gast bei den Monetenmachern von FOCUS MONEY

Wer bei dem Wort “Chart” zuerst an gut sortierte Musikhitlisten denken muss, der hat wohl noch nie einen Fuß in die heiligen Hallen des Finanzmagazins Focus Money gesetzt. Wie jedes Jahr schickt die Burda Journalistenschule seine angehenden Redakteure nach ungefähr einem Jahr Ausbildungszeit in eine sogenannte Zweitredaktion. Das bedeutet für viele raus aus der Komfortzone und rein in ein unbekanntes Themenfeld. Von Mode zu Food, München nach Berlin oder der Wochenzeitschrift zum Monatsmagazin, alles ist möglich. Ich selbst darf für zwei Monate meine TV Spielfilm-zertifizierten viereckigen Augen etwas entspannen und die Finanzmagier aus München besuchen. Vier Wochen habe ich mittlerweile hinter mir und ich bin, entgegen vieler Versprechungen, noch kein Millionär.

Mit Geld kauft man keine guten Artikel

Das liegt aber vor allem daran, dass bei Focus Money nicht den ganzen Tag Geld gezählt wird und es, entgegen vieler Gerüchte, keinen Tresor in jedem Büro gibt. Das Heftinnere wird auch nicht mit Banknoten bedruckt, sondern mit gut recherchierten Artikeln, die jede Woche aufs Neue geschrieben werden wollen. Bei einer Story über eine bestimmte Aktie, die vielleicht demnächst ein neues Allzeithoch knackt, heißt das für den Autor: Das Unternehmen hinter dem Wertpapier durchleuchten, den Kurschart verfolgen, den Stoppkurs berechnen, die Marktkapitalisierung notieren, auch mal einen Blick auf den Gewinn pro Aktie werfen und und und. Obwohl ich mich grundsätzlich für Finanzen interessiere, überforderte mich die Fachsprache der Börsengurus durchaus das ein oder andere Mal. Und hier sollte ich tatsächlich auch nur einen vernünftigen Text schreiben? Ja, das sollte ich und viel Zeit darüber nachzudenken, wo ich jetzt die verdammte Dividendenrendite herbekomme, gab es nicht. Gott sei Dank, muss ich mittlerweile zugeben. Schon nach der ersten Woche hatte ich mit dem Computerzubehörhersteller Logitech meine erste größere Geschichte an der Backe. Die Mädels und Jungs sind vor allem für PC-Mäuse bekannt, starten aber momentan mit Tablettastaturen und Smart Home-Stuff richtig durch. Schritt für Schritt tastete ich mich an die Firma ran, analysierte Zahlen, Produkte und sogar die Analysen der Analysten, die wiederum den Konzern analysieren. Dann gings ab zur Bildredaktion und der Grafik, um fix ein feines Layout aufzusetzen. Auf dem müssen nicht nur meine bescheidenen Textzeilen, sondern auch mehrere Infografiken samt ansprechendem Titelbild Platz finden. Am darauffolgenden Mittwoch war der Zweiseiter schließlich fertig. Im Anschluss durfte ich dann noch den Kursteil schreiben, der in jedem Heft einige besonders erwähnenswerte Aktien vorstellt. Klingt nach Routinearbeit. Ist es auch irgendwie, aber gerade als Neuling lernt man unglaublich viel über die Unternehmen, die bei vielen Geräten unseres Alltags im Hintergrund die Fäden zupfen.

Direkt beim Reinkommen gefunden
Direkt beim Reinkommen gefunden

Im Headquarter ist der Teufel los

In der zweiten und dritten Woche hatte ich dann die beiden Digitalbestien namens Bloomberg und Datastream halbwegs unter Kontrolle. Die beiden Programme liefern uns Redakteuren zu jedem börsennotierten Unternehmen aktuelle Bilanzen, Experteneinschätzungen und die Graphen, die schlussendlich das fertige Heft zieren. Der Funktionsumfang ist so gigantisch, dass ich anfangs dachte, ich säße im Cockpit einer Apollo-Mission. Es gibt kaum ein Feld auf dem Bildschirm, das man mit der Maus – die meines Wissens kein Logitech-Logo hat –  nicht betouchen kann. Aber auch diese Ungetüme meistert man und meine zweite Geschichte zum Thema “Die Zukunft der Ticketverkäufer” ging mir viel leichter von der Hand.

Der FOCUS MONEY Finanzoverload
Der FOCUS MONEY Finanzoverload

Money-Millionär

Thematisch gibt es bei Focus Money übrigens kein rotes Tuch. Wer eine boomende Branche oder eine florierende Firma entdeckt, sollte mit einem Themenvorschlag nicht zögern. Denn irgendwie kann ja alles mal ordentlich Cash machen, wenn es läuft. Aber auch Abstürze können interessant sein, wenn in Zukunft ein Turnaround ansteht und die Aktie wieder nach oben schnellt. Manchmal sind aber einfach Abstürze interessant, weil jemand abgestürzt ist. Und wer den erfahrenen Kollegen aufmerksam zuhört, der kann sich bestimmt ein paar Ideen für interessante Geschichten oder Tipps für das eigene Aktiendepot abholen. Ich persönlich bin erstmal bei meinem kleinen Musterdepot geblieben. Damit kann ich ohne Angst vor Peter Zwegat vielversprechende Wertpapiere in mein Portfolio schieben, die mir während der Arbeit aufgefallen sind. Millionär werde ich so zwar nicht, der Grundstein ist aber gelegt.

Maximilian Fischer
Max ist Volontär bei der TV Spielfilm (2016-2018).
Wenn er nicht gerade über Filme schreibt, dann redet er wahrscheinlich darüber.

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