Ex-BJS-Volo Marco Braun: “Ich fing bei Null an”

Ob Jura-Studium oder Kochlehre: Auch als Medien-Neuling kann man an der BJS durchstarten. Der ehemalige Chefkoch und heutige Burda-Journalist Marco Braun, 51, verrät im Interview, wie sich der Quereinstieg von der Küche in die Redaktion anfühlt.

 

Schweißausbrüche und Selbstzweifel: Zwischen all den Medienwissenschaftlern fühlte ich mich als Juristin beim BJS Aufnahmetest fehl am Platz. Damit bin ich nicht allein: So geht es vielen, die über Umwege zum Journalismus kommen. Ein Quereinsteiger ist auch Marco Braun. Als 16-Jähriger fing er eine Kochlehre an – zwanzig Jahre später begann er ein Volontariat bei Burda. Heute ist er Food-Ressortleiter bei Burda Food Partners und der wichtigste Ansprechpartner, wenn es um Rezepte geht. Wie es sich anfühlt von heute auf morgen ein neues Leben zu beginnen, erzählt der ehemalige Chefkoch im Interview.

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SUPERillu-Volontärin Aleksandra erfuhr von Ex-Volo Marco, dass “Fachidioten” ein Alleinstellungsmerkmal haben: Als Experte schreibt es sich leichter über das Spezialgebiet (Quelle: Harriet Krüger)

 

Marco, du hast jahrelang als Chefkoch gearbeitet, bist mit 35 Jahren zum Journalismus gewechselt und arbeitest jetzt als Ressortleiter bei Burda Food Partners – wie kam es dazu? Es war Zufall. Eine Zeit lang arbeitete ich als Kantinenleiter bei Burda in Offenburg und lernte den Chefredakteur von Lisa Kochen & Backen kennen. Er fragte mich ob ich als Fachmann die Rezepte überprüfen will. Aufgrund diverser Allergien und eines Motorradunfalls suchte ich schon länger nach einem neuen Job, da bot er mir eine Stelle an. Um Redakteur zu werden, musste ich aber zuerst ein Volo durchlaufen.

 

Ich habe nächtelang nicht geschlafen und war zehn Jahre älter als der Rest. Aber: Wenn man will, schafft man alles. (Marco Braun, Ressortleiter Burda Food Partners)

Wie war die Umstellung für dich – raus aus der Küche, rein in die Journalistenschule? Schlimm: Bevor es losging habe ich nächtelang nicht geschlafen. Ich musste wieder Deutsch lernen – zwischen meiner Schulzeit und dem Volontariat lagen mehrere Rechtschreibreformen. Während alle anderen Volontäre schon bei Zeitungen gearbeitet hatten, fing ich bei Null an. Zudem war ich mindestens zehn Jahre älter als sie. Die Umstellung auf das bescheidene Volo-Gehalt war auch hart: Als Chefkoch habe ich zwischen 6.000 und 10.000 DM netto verdient. Da musste ich mich schon durchbeißen.

Wie hast du Schreiben gelernt? Während der BJS-Ausbildung. Eine Reportage hatte ich vorher noch nie geschrieben. Außerdem habe ich mir von dem Textchef meiner Redaktion viel abgeguckt.

Also war es vor allem learning by doing? Auf jeden Fall. Ich bin noch heute kein Poet, habe aber schnell gelernt mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wer in seinem Fachbereich bleibt, kann sich das Schreiben einfacher aneignen.

Hat dir dein Fachwissen während des Volontariats Vorteile gebracht? Während des Schulblocks nicht, in der Redaktion hingegen sehr. Alles was mit Kochen und Rezepten zu tun hat – dafür war ich schon damals der Fachmann und bin es heute noch. Wenn ein Leser Probleme mit einem Rezept hat und anruft, wird er an mich weitergeleitet. Außerdem ging ich hartnäckiger an Sachen ran: Als Koch hatte ich 16-Stunden-Schichten. Wenn ich also um 17 Uhr noch topfit in der Redaktion saß, um meine Aufgaben fertig zu machen, wurde ich schief angeguckt.

Würdest du anderen Quereinsteigern raten deinen Weg zu gehen? Nicht meinen – jeder soll seinen eigenen gehen. Jeder der es will, kann es schaffen. Experten auf einem Gebiet können sich den journalistischen Teil später aneignen. Aber: Man muss sich Zeit geben. Ich habe noch zwei, drei Jahre nach dem Volontariat gelernt, wie der Job funktioniert. Zu erwarten, dass man nach der Ausbildung der King ist – das funktioniert nicht.

 

(Viele Wege führen zum Volo: Welche Erfahrungen die angehenden Redakteurinnen und Redakteure des Jahrgangs 2018/2020 vor ihrer Zeit an der BJS gesammelt haben, könnt ihr hier nachlesen.)

Aleksandra Janevska
Hey, ich bin Aleksandra und Volontärin bei der der SUPERillu. Als gelernte Juristin werde ich oft gefragt, wie ich zum Journalismus kam. Die Antwort: Die spannendsten Fälle schreibt das Leben – sie in die richtigen Worte zu fassen, ist für mich das Größte!

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