Der Survival-Guide für Redaktionskonferenzen

Redaktionskonferenz

So ein Start in einer neuen Redaktion ist ja sowieso schon aufregend. Der wohl aufregendste Moment für Neulinge ist aber die Redaktionskonferenz. Rund ein Dutzend Augenpaare sind auf einen gerichtet. Rund ein dutzend Ohrenpaare wollen eine gute Idee hören. Das kann ja nur schief gehen… Falsch!

Auch wenn es einem am Anfang wie ein Hexenwerk vorkommt (mir auch): Eine Redaktionskonferenz ohne unangenehme Zwischenfälle zu überstehen und sogar mit einer oder sogar mehreren Ideen zu überzeugen, ist gar nicht so schwer.

1. Aufmerksam sein

Die Konferenzen laufen in verschiedenen Redaktionen völlig unterschiedlich ab. Beobachtet erst einmal, wie andere Redakteure ihre Ideen präsentieren und was ihre Quellen sind beziehungsweise was sie inspiriert hat (Blogs, andere Magazine, Pressemitteilungen, das Tagesgeschehen, Social Media,…). Ihr müsst es nicht eins zu eins so machen, aber eben auch nicht vollkommen anders. Doch nicht nur, wenn es darum geht, wie man seine Themen vorstellt, lohnt es sich, sehr wachsam zu sein. Hört bei jedem Vorschlag eurer Kollegen und jeder Reaktion des Chefredakteurs genau zu. So seht ihr einerseits, was wie gut ankommt. Andererseits kommt es immer wieder vor, dass ihr nicht nur zu euren eigenen Ideen den Artikel schreiben sollt, sondern auch mal zu Vorschlägen von anderen. Und da ist es wichtig, mitbekommen zu haben, wie der Chefredakteur sich das vorstellt.

2. Ich kann es schon vor mir sehen…

Ja, man sollte nicht komplett aus der Reihe tanzen. Was sich aber immer lohnt – egal ob das die anderen so machen oder nicht – ist, eine griffige Schlagzeile parat zu haben und gerade bei einem Magazin auch ein schönes Bild zu eurer Idee. Ihr wollt über eine Mutter mit sieben Kindern schreiben, die in einem Wohnwagen durch Europa tourt? Da findet sich bestimmt ein sehenswertes Bild von der Familie. Wenn der Chefredakteur die Magazinseite mit eurer Idee schon vor dem inneren Auge sieht, ist er viel eher überzeugt, als wenn er erst selbst grübeln muss, wie genau man das umsetzen könnte.

3. Die Rubriken kennen

Euer Vorschlag sollte bestenfalls nicht nur allgemein ins Themenspektrum des Magazins passen, sondern in eine konkrete Rubrik (z.B. Ratgeber) beziehungsweise auf eine konkrete Seite (z.B. Mode News). Sagt dazu, wo genau ihr eure Idee im Heft seht. Das Magazin so genau wie möglich zu kennen, hilft auch sehr dabei, überhaupt auf passende Ideen zu kommen. Falls das Heft thematisch sehr gemischt ist, könnt ihr Euch auch für drei, vier Rubriken entscheiden, die Euch besonders interessieren, diese Rubriken besonders genau anschauen und dann hauptsächlich dazu Ideen bringen (falls ihr nicht sowieso in einem bestimmten Ressort eingesetzt seid). So könnt ihr einerseits implizit deutlich machen, was euch selbst am meisten interessiert, wozu ihr also mit dem meisten Herzblut Artikel schreiben würdet. Außerdem behaltet ihr dann besser den Überblick, welche Themen es in dieser Rubrik in letzter Zeit schon gab, sodass euer mühevoll ausgearbeiteter Vorschlag nicht dauernd mit “hatten wir schon” abgewehrt wird.

4. Klasse statt Masse

Es wird sie immer geben, die ein oder anderen Kollegen, die bei jeder Konferenz gleich zehn Ideen parat haben. Lasst Euch davon nicht einschüchtern. Gerade am Anfang ist es viel besser, wenn man sich auf zwei, drei Ideen konzentriert. Anstatt noch auf Teufel komm raus fünf weitere zu finden, nutzt die Zeit lieber, um eure Vorschläge gut auszuarbeiten. Das hat zahlreiche Vorteile: Ihr könnt sie besser präsentieren, ohne Gestotter und Ablesen. Ihr wisst eher eine passende Antwort, wenn der Chefredakteur eine Frage zu eurem Vorschlag hat. Und Ihr habt mit einer konkreten Idee eine viel höhere Erfolgschance als mit einer vagen (siehe Punkt 2).

5. Das “Mal wieder”-Tabu

Als “ARD Buffet”-Chefredakteurin Gabriele Mühlen kurz vor unserem Start in die Redaktionen zum Kaminabend in der Journalistenschule war, hat sie uns verraten, was für sie bei Redaktionskonferenzen ein absolutes NoGo ist: der Satz “wir könnten mal wieder etwas zum Thema … machen”. Wenn er dann auch noch so unmotiviert daher gesagt wird, wie er sowieso schon wirkt, kann sie richtig sauer werden. Klar, nur weil es in einem Frauenmagazin schon mal einen Artikel über Flirten gab oder in einem Gartenmagazin einen über Orchideen, heißt das nicht, dass man das Thema nie wieder aufgreifen darf. Es gilt einfach nur, zu zeigen, dass man das Thema nicht wieder auf die gleiche Weise durchkauen will, wie es das eigene Magazin und dessen Konkurrenz schon hundert Mal gemacht haben, sondern dass man einen neuen Blickwinkel darauf hat.

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