How To: Blattkritik – so kritisierst du ein Magazin souverän

Irgendwann kommt der Tag. Der Tag, an dem ein Kollege (schlimmer: der Chef) vor deinem Schreibtisch steht und sagt: „Na, wie sieht’s aus? Hast du nicht mal Lust eine Blattkritik in der Konferenz zu machen?“ (ja, echt jetzt.) Als Volontär ist man dann nicht wirklich in der Position, dieser Bitte (die eigentlich keine ist), abzulehnen, ohne sich entweder schlecht zu fühlen und/oder einen schlechten Eindruck zu machen.

Aber auch in Vorstellungsgesprächen kann es vorkommen, dass du gebeten wirst, doch einmal die Punkte zu nennen, die man am Heft besser machen könnte. Um von dieser Frage nicht vollkommen überfahren zu werden – oder sich in der Konferenz vor versammelter Mannschaft zu blamieren, hilft es, sich bei der Vorbereitung an ein paar Grundlagen zu halten.

Fair bleiben
Die erste, goldene Regel beim Kritisieren lautet: Respektvoll bleiben. Schließlich hat sich mindestens einer deiner Kollegen extrem viel Mühe gemacht. Die zweite Regel lautet: Wenn du es kritisierst, musst du es auch begründen. Aussagen wie “Der Text hat mir nicht besonders gefallen” oder “Das Bild finde ich nicht gut” verlangen nach einer unaufgeforderten, nachvollziehbar erklärten Begründung.

Strukturiert vorgehen
Sprich über das Heft so, wie du es wahrnimmst: Vom ersten Eindruck des Hefts am Kiosk über die Erwartungshaltung durch den Titel, jedes Ressort einzeln bis hin zur letzten Seite und dem Gefühl, das bleibt, wenn du das Heft dann weggelegt hast

Leitfragen, die du beantworten solltest
Nachdem du das Heft durchgelesen hast, solltest du dir ein paar Fragen beantworten: Was hat mich überrascht? Was hat mir besonders gut gefallen? Was hätte man anders, vielleicht auch besser lösen können? Was hat mir gefehlt? Die Antworten darauf geben eine gute Zusammenfassung deiner Blattkritik.

Konkurrenzmagazine ansehen
Konkurrenz belebt das Geschäft – auch auf dem Zeitschriftenmarkt. Sieh dir an, womit die direkten Konkurrenzmagazine aufmachen, was sie auf dem Titel tragen, in welchen Farben sie gestaltet sind, worin sie sich diese Woche/ diesen Monat von deinem eigenen Blatt unterscheiden, was sie besser oder vielleicht auch schlechter machen. Hier findest du vielleicht auch eine Antwort auf die Frage “Was hat mir gefehlt?”.

Nicht nur Negatives Nennen
Jeder freut sich über Lob – du kannst es gerne betonen, wenn dir während deiner Lektüre etwas besonders gut gefallen hat. Gibt es vielleicht sogar eine Rubrik, auf die du dich immer besonders freust? In der Blattkritik ist auch für positive Worte Platz!

Dinge, auf die du Wert legen kannst
Du weißt nicht, was du alles ansprechen kannst? Eigentlich alles, was dir auffällt. Die Blickführung auf der Titelseite und den Seiten im Heft zum Beispiel: Wo geht dein Blick zuerst hin, wie wird er weiter geleitet? Musst du lang überlegen, wo es weitergeht oder entsteht ein Flow? Du kannst natürlich auch das Layout ansprechen – sind die Bilder gut gesetzt, ist die Seite eine Bleiwüste, ist sie optisch ansprechend? Wichtig ist auch der Inhalt: Sind die Themen relevant (wenn nein, warum nicht?), sind sie abwechslungsreich, welche interessieren dich am meisten, über welche blätterst du einfach drüber? Wichtig ist, und hier wären wir wieder bei Punkt 1 – begründe alles, was du ansprichst.

Good luck!

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