Ethik im Journalismus: Mehr als nur der Pressekodex?

Ethik im Journalismus

Das Thema Ethik ist etwas, über das Journalisten immer wieder diskutieren. Insbesondere im Boulevardjournalismus stellt sich häufig die Frage, über was berichtet werden soll und kann. Klar, die journalistisch-ethischen Grundregeln sind im Pressekodex verankert. Bei einem Verstoß spricht den Presserat gegebenenfalls eine Rüge aus. Doch bevor es so weit kommt, muss sich jeder Journalist selbst die Frage stellen, was für Publikationen er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Dabei ist auch zu beachten, dass kein Journalist wirklich objektiv berichten kann – egal, wie sehr er sich darum bemüht. Dazu passend existiert folgende Theorie:

 

Konstruktivismus

Der Konstruktivismus besagt, dass wir alle Konstrukteure unserer Wirklichkeit sind.  Die Kernaussage ist, dass eine Wahrnehmung kein Abbild einer bewusstseinsunabhängigen Realität liefert, sondern dass Realität für jedes Individuum immer eine Konstruktion aus Sinnesreizen und Gedächtnisleistung darstellt. Deshalb ist Objektivität im Sinne einer Übereinstimmung von wahrgenommenem (konstruiertem) Bild und Realität unmöglich; jede Wahrnehmung ist vollständig subjektiv. Demnach gilt:

“Wer die Wahrheit sagt, ist ein Lügner.”

-Heinz von Förster-

Denn eine absolute Wahrheit gibt es nicht. Darum sollten Journalisten ihre eigene Wahrnehmung immer hinterfragen.

 

Bad news good news … ?

Blättert man durch die großen Nachrichtenmagazine und Tageszeiten springen sie einem entgegen: Schlagzeilen von Katastrophen, Straftaten und Missständen in unserer Gesellschaft. Sind nur schlechte Nachrichten überhaupt Nachrichten? Die Wahrheit ist: Negative Schlagzeilen verkaufen sich besser. Aus diesem Grund fixieren sich viele Medien auf negative Entwicklungen, Missstände, Katastrophen und Anschläge. Aber es gibt auch Medien die dagegen halten. Die Zeit findet regelmäßig Möglichkeiten, auch positive Nachrichten für ihre Leser aufzubereiten und damit ein ausgewogeneres Weltbild zu zeichnen,. Beispielsweise mit Schlagzeilen wie: „Das soziale System Schule funktioniert“

 

Der Ton macht die Musik

Worauf Volontäre im Redaktionsalltag achten können? Auf die eigene Wortwahl und was wir damit bei dem Leser auslösen können und möchen. Die verwendete Sprache beeinflusst das Denken und Handeln der Menschen. Aus diesem Grund ist das sogenannte Framing entscheidend. Framing ist die Einbettung von Ereignissen und Themen in ein Deutungsraster. Ein Beispiel: Von „Flüchtlingsströmen“ zu sprechen, weckt in dem Lesern ein negatives Bild einer Naturkatastrophe und eine Abwehrhaltung gegenüber dieser. Ist es ethisch vertretbar, so zu berichten?

Wissenschaftlerin Elisabeth Wehling sagt:

„Kein Wort kann außerhalb von Frames gedacht, ausgesprochen und verarbeitet werden. Wann immer Sie ein Wort hören, wird in Ihrem Kopf ein Frame aktiviert.“

Die Aufgabe von uns Journalisten ist es, uns jeden Tag bewusst zu machen, wie wir mit unserem Texten die Leser prägen und somit die Welt in der wir leben beeinflussen.

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